Eines vorweg: Das Training mit Rico lohnt sich in meinen Augen für jeden FIFA-Spieler. Wer wissen will, was ihn dabei erwartet: Hier der ausführliche Review dazu.

 

Was du von so einem Training erwarten kannst

In einer Stunde wirst du nicht zum Profi-E-Sportler – aber darum, Profi zu werden, geht es glaube ich nicht primär. Falls doch, sind mit Sicherheit mehrere Stunden im Einzelcoaching nötig. Rico zeigt auf, worauf geachtet werden muss, macht dich gnadenlos auf all die vielen Kleinigkeiten aufmerksam, die du zwar unbewusst wahrnimmst, aber die einige Anstrengung erfordern, damit du dich verbesserst.

Wie das Training abläuft

Es beginnt mit dem Kennenlernen. Etwas Smalltalk, wie lange spielst du schon FIFA, wie würdest du dich einschätzen, was für Modi spielst du hauptsächlich… und falls du, wie in meinem Fall, eine Stunde Zeit hast, solltest du vorgängig überlegen, was du denn trainieren möchtest.

Nun zu meiner Stunde. Ausgemacht war sie schnell, Rico war sehr flexibel, was mir als voll berufstätigem zweifachem Vater definitiv zugute kam. Zuerst habe ich also etwas von mir erzählt, wie lange ich spiele bzw. seit wann, in meinem Fall war FIFA 98 oder 97 der Start. Mit 35 Lenzen auf dem Rücken war das wie wohl für die meisten FIFA-Spieler in meinem Alter der Start einer Obsession fürs runde Leder. Ich also voller Selbstbewusstsein, erzählte, wie toll ich in Online-Saisons bin, Division-1- oder -2-Dauergast, jedes Spiel mindestens zwei Tore, aber kassiere halt auch immer wieder die eine oder andere Schlappe, für mich komplett unverständlich, da ich ja wie gesagt eigentlich Profi am Controller bin.

Dann starten wir ein Spiel, klassischer 90er-Modus, ich im offensiven 4-3-3, da ich mich hier einfach wohlfühle und die Spieler meiner Mannschaft in- und auswendig kenne. Also reden wir ein bisschen nebenher, ich ahne Böses, denn in den ersten 15 Minuten habe ich vielleicht 20 Prozent Ballbesitz, und wenn ich den Ball habe, passieren Fehlpässe ohne Ende. Bei Rico dagegen läuft alles so, wie es sollte – erst scherze ich noch etwas und sage, schlau, wie ich bin: «Nimm dich bloss nicht zurück, ich will ja besser werden…». Nun, um ehrlich zu sein, geht ab dem Moment aus meiner Sicht alles den Bach runter.

Meine Angriffe werden schnell unterbrochen, Pressing funktioniert nicht mehr, Fehlpässe ohne Ende, wohlgemerkt alles im lockeren Smalltalk von Rico. Plötzlich steht es auch schon 3:0 für ihn, ich gebe immer noch dem Heimvorteil die Schuld, Anfield wäre meiner Meinung nach die bessere Wahl gewesen. Dann endlich, ich im Strafraum von Rico, das ist meine Chance aufzuholen, denke ich. Vorweg: Das wird der einzige Torschuss von mir im gesamten Spiel bleiben. Er wird geblockt, und sofort werde ich ausgekontert, das endet in einem 4:0 pünktlich zum Pausenpfiff. Ich zu mir, nun wasch deinen virtuellen Spielern den Kopf, ein Spiel ist vorbei, wenn abgepfiffen wird. Aber keine Zeit für taktische Umstellungen, sofort geht die Analyse los. Als ich die Statistik sehe, komme ich mir gar nicht so schlecht vor gegen einen Profi, doch ein paar Punkte fallen sogar mir auf. Passquote war bei Rico bei über 90 Prozent, bei mir sage und schreibe 60 Prozent. Als ich das sehe, kommt auch schon der in meinen Augen wirklich schlimmste Kommentar des Trainings, O-Ton Rico: «Ich habe mir während dem Spiel ein paar Punkte aufgeschrieben.» Ich, etwas verdutzt: «Nicht dein Ernst? Du schießt mich 4:0 ab und kannst noch mitschreiben? Das nagt jetzt etwas an meinem Selbstbewusstsein», lachte ich noch ins Mikro. Darauf ziemlich schnell die Antwort von Rico: «Nein, nein, habe nur Striche bei ein paar wichtigen Punkten gemacht». Also gehen wir die Punkte durch. Mein Tipp: Nehmt die Kritik an, versucht nicht, Ausreden zu erfinden, warum wieso weshalb. Es bringt nichts. Die Fehler sind passiert, weil Rico halt genau weiß, wie er mich challengen musste, um Fehler zu provozieren. Könnt ihr das erste Spiel gewinnen? Natürlich. Heißt das, dass ihr nichts mehr lernen könnt? Weit gefehlt.

Also nach ein paar Tipps in der Halbzeitanalyse rein in Halbzeit zwei. Gleiches Spiel, wenn auch nicht so drastisch, meine Ansprache in der Kabine muss gefruchtet haben. Aber immer noch gravierende Fehler im Aufbau, falsche Entscheidungen zur falschen Zeit. Ich gehe auch in der zweiten Halbzeit unter.

Endergebnis 8:0
Torschüsse 14:1
Aufs Tor 12:0
Passquote +90%:70%

Nach dem Spiel schauen wir uns noch in der Wiederholung ein paar Tore an, und Rico zeigt mir sehr deutlich auf, wo meine Fehler sind. Ich will das erst nicht wahrhaben, bin ich doch seit Jahren am Spielen. Diese Fehler in der Wiederholung sehen aus, als würde wer anderes spielen. Also bin ich doch nicht so gut? Ich spiele seit 21 Jahren semiprofessionell Fußball, war in der Regionalliga und für ein Jahr bei einem Bundesligaverein. Am Spielverständnis hapert es nicht, aber es sind halt eben die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Nach ein paar weiteren Analysen und Statistikbesprechung auf ins Spiel 2.

Was habe ich mir für das zweite Spiel vorgenommen? Umsetzen, was Rico gefunden hat. Ruhiger im Spielaufbau, keine hektischen Vorstöße und vor allem defensiv mehr auf die Verteidigung achten.

Um euch nicht zu langweilen, kürze ich das hier ab: Ergebnis nach 90 Minuten 0:0! Torschüsse 2:5! Passquote +90%: +80%!

Ich habe in meinen Augen viel richtig gemacht im zweiten Spiel. War es perfekt? Nein. Muss ich weiter an mir arbeiten? Definitiv. Würde ich die Trainingsstunde weiterempfehlen? Ein klares Ja.

Was ich jedoch als Nichtschweizer beachten würde: Es fallen Spesen für die Überweisung an. Also besser nicht per Überweisung, sondern per PayPal bezahlen – oder eure Konditionen bei der Bank prüfen.

Solltet ihr Interesse haben, euch zu verbessern, ist eine Stunde mit Rico ein sehr guter Anfang. Wird es ausreichen, um euch aufs nächste Level zu bringen? Ich denke, das kommt auf euer Level an, oben ist die Luft halt doch recht dünn für Verbesserungen. Aber mal ganz ehrlich, wenn ihr perfekt spielt, hätte euch doch schon längst ein eSport-Verein angeworben… 😉

So long, euer Senior eSports FIFA-Admin
Pagi aka Whisewolf